Aufruf zur Prozessbeobachtung

Prozess gegen die Einweisung eines Flüchtlings ins Abschiebelager

Montag, 20.03.06, um 13.00 Uhr
Schönebecker Straße 67 a, Magdeburg

Am 20. März wird nach über zwei Jahren endlich die Klage des
Flüchtlings T. verhandelt, mit der dieser die gegen ihn ergangene
„Wohnsitzauflage“ aufheben lassen will.
Durch diese ist er bereits seit 2002 dazu gezwungen im Abschiebelager
Halberstadt zu leben. Da er keinen engagierten Anwalt hatte, wusste er
nichts von der Möglichkeit gegen die „Wohnsitzauflage“ Widerspruch
einzulegen.
Im November 2003 stellten wir Kontakt zu einer Anwältin her. Sie
bemühte sich seitdem darum, dass es zur Verhandlung des Falles kommt.
Die Gewährung von Prozesskostenbeihilfe verweigerten die Gerichte
bisher.
Während T. zunehmend unter den psychischen Folgen des Aufenthalts im
Abschiebelager litt (Schlaflosigkeit, Kopfschmerzen etc.), scheiterte
ein Versuch die Klage im Juni 2005 vorzuziehen.
Die angebliche „intensive Betreuung“ im Abschiebelager Halberstadt
reduziert sich seit einem Jahr darauf, dass T. bei der Verlängerung
seiner ein bis zwei Tage gültigen Duldung bei der Ausländerbehörde
immer wieder ein Schreiben vorgelegt bekommt, auf dem er eine Herkunft
bestätigen soll, die die Ausländerbehörde ihm unterstellt.

Jetzt, nach zweieinhalb Jahren, wird die Klage gegen die
„Wohnsitzauflage“ im Abschiebelager Halberstadt leben zu müssen endlich
verhandelt.

Erfolgreiche Klagen gegen Auflagen zur Wohnsitznahme in einem
Abschiebelager gab es bereits in mehreren Bundesländern, so in
Niedersachsen und Rheinland-Pfalz. Auch das Verwaltungsgericht
Magdeburg hob im Dezember 2005 erstmals den Bescheid eines Landkreises
auf, der einem Flüchtling eine Wohnsitzauflage erteilt hatte (Az.: 5 A
120/05 MD). Derzeit sind in Sachsen-Anhalt weitere derartige Klagen
neben der des Flüchtlings T. anhängig.
Präzedenzurteile können es ermöglichen in Zukunft einfacherer und in
größerer Zahl gegen Bescheide zur Wohnsitznahme im Abschiebelager
vorzugehen. Darüber hinaus erleichtern sie die Öffentlichkeitsarbeit
zugunsten von Flüchtlingen und können diese ermutigen sich für ihre
Rechte einzusetzen. Die Möglichkeit aus dem Abschiebelager
herauszukommen durchbricht die Hoffnungslosigkeit der Situation, in die
sie durch das Leben im Lager, ein Leben ohne Perspektive, geraten sind.

Deshalb kommt zum Prozess am 20.03.06 nach Magdeburg! Mit unserer
Präsenz bekunden wir das Interesse der Öffentlichkeit und erhöhen damit
die Chancen auf ein faires Verfahren.

Für die ersatzlose Schließung des Abschiebelagers Halberstadt!
contact: plataforma@riseup.net
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Call for Court Observation

Lawsuit against a refugee's committal into the deportation camp

on Monday, 20/03/06, at 13:00
Schönebecker Straße 67 a, Magdeburg

BUS FROM BERLIN: 9:30 PARKING LOT AT OSTBAHNHOF/CORNER ANDREASSTRASSE
(OUT OF THE MAIN ENTRANCE TO THE RIGHT)

On the 20th of March, after more than two years, the refugee T.'s suit
is finally heard, with which he wants to have his “Wohnsitzauflage“
(Condition about Residence) reversed.

This condition has forced him to live in the deportation camp
Halberstadt since 2002. Since he had no active lawyer, he did not know
about the possibility to lodge an appeal against the “Wohnsitzauflage“.

In November 2003, we established contacts between T. and a lawyer. She
tried hard to get the legal proceedings started since then. So far, the
courts refused to grant T. “Prozesskostenbeihilfe” (legal aid: aid for
poor people to pay the legal costs).
While T. suffered more and more from the psychological consequences of
the stay in the deportation camp (insomnia, headache etc.), an attempt
to get an earlier hearing in June 2005 failed.

The officially asserted “intensive care” in the deportation camp
Halberstadt has not taken place for one year, excepting the fact that
the “Ausländerbehörde” (Foreigners' Office) tries to make T. sign a
writing about his origin – that he is from the country the
“Ausländerbehörde” assumes – every time he comes there to renew his
“Duldung” (a residence permit), which is valid only one or two days.

Now, after two and a half years, the lawsuit against the
“Wohnsitzauflage” condition to live in the deportation camp Halberstadt
is finally heard.

There have been successful suits against “Auflagen zur Wohnsitznahme”
(Conditions about Residence) in a deportation camp in several
Bundesländer (federal states), as in Lower Saxony and
Rhineland-Palatinate. The administrative court Magdeburg, too, reversed
for the first time the notification of a Landkreis (district) which had
given a “Wohnsitzauflage” to a refugee (Az.: 5 A 120/05 MD). Further
suits of that kind besides the refugee T.'s have been filed in
Saxony-Anhalt now.

Precedents may allow it to appeal easier and in greater numbers against
notifications about the condition to reside in the deportation camp.
Moreover, they are good for public relations in favour of refugees and
may encourage these to speak up for their rights. The chance to get out
of the deportation camp breaks through the hopelessness of the life in
the camp, a life without any prospects.

Come to Magdeburg to observe the lawsuit on 20/03/06! With our presence
we show the interest of the public and increase the chances of fair
proceedings.

FOR THE UNCONDITIONAL CLOSING OF THE DEPORTATION CAMP IN HALBERSTADT!

contact: plataforma@riseup.net